knallhart&schonungslos. Momentaufnahmen.
Ein einziger Moment kann so vieles sein: atemberaubend. wunderschön. grauenhaft. schockierend. verlockend. erschütternd. knallhart. schonungslos.
Wer? Was? Wann? Wo? Wie? Warum?

Die Galerie WestLicht im 7. Wiener Bezirk beherbergt derzeit bereits zum 9. Mal in Folge die World Presse Photo Exhibition. Seit 1955 werden beim World Press Photo Contest die weltbeisten Pressefotografien gekürt. Dieses Jahr bewarben sich 5.847 Fotografen aus 128 Ländern bei der Worls Press Photo Foundation um den begehrten Titel. 101.960 Aufnahmen wurden von der internationalen Jury gesichtet, die Gewinner au den Rubriken Politik, Sport, Kultur, Umwelt und Wissenschaft werden nun in einer Wanderausstellung gezeigt. Bis zum 26. November sind die weltbesten Pressefotos noch im WestLicht zu sehen. Die 6,50€ (für Studenten 4€) zahlen sich aus.
Platz 1: Klagende Frauen auf den Dächern Teherans

Eine Fotografie von Pietro Masturzo wurde heuer zum “World Press Photo of the Year 2009″ gekürt. Es zeigt Frauen, die sich in der Nacht nach der umstrittenen Wahl von Mahmoud Ahmadinedschad auf den Dächern versammelt haben, um ihren Protest zu schreiben. Ich bin verwundert, dass dieses Foto das Rennen gemacht hat. Heute habe ich viele schockierende Aufnahmen gesehen – Tierkadaver, Kinderleichen, verstümmelte Soldaten und Spuren von Massakern. Ich habe Außergewöhnliches gesehen, z. B. ein amerikanischer Soldat im Gefecht, untenrum nur mit einer patriotischen “I Love NY”-Boxershort bekleidet. Ich war erstaunt und geekelt, verwundert, schockiert und berührt, doch das Gewinnerbild hat mich kalt gelassen. Klar macht das Bild im Zusammenhang mit seiner Beschreibung Sinn. In einem Land, wo es praktisch keine freie Meinung gibt, versammeln sich Frauen bei Nacht, um ihren Kummer von den Dächern zu schreien und Allah zu rufen. Doch das Foto an sich hat mich trotzdem nicht wahnsinnig angesprochen. Die Konkurrenz war vielleicht einfach zu stark?
Mein Favourit
Absolut faszinierend und einzigartig finde ich hingegen diese Momentaufnahme des ungarischen Fotografen Joe Petersburger. Er knipste den Eisvogel beim Fangen seiner Beute. Der Eisvogel hat sein drittes Augenlid geschlossen, damit das Auge beim Eintauchen ins Wasser nicht verletzt wird. Das dritte Augenlid ist jedoch lichtdurchlässig genug, damit der Eisvogel seine Beute, einen Fisch, auch unter Wasser nicht aus den Augen verliert. Der Vogel lässt Federn, das Wasser schlägt kleine Wellen, der Fisch muss dran glauben und der Kontrast zwischen blauem Himmel, dunkelgrünem Wald im Hintergrund und dem weißen Eisvogel auf Beutefang ist einzigartig. Joe Petersburger hat mit diesem Bild den Platz 1 in der Kategorie Naturaufnahmen gewonnen. Ich sag dazu nur – vogl frei!